Bava Kamma 210

Kapitel 210

א נשבע עליו מהו מי אמרינן כיון דאי מיגנב בעי שלומי ליה ממונא קא כפר ליה או דלמא השתא מיהת הא מנח ועפרא בעלמא הוא ולא כפר ליה ממונא
1 wie ist es nun, wenn er es abgeschworen hat: sagen wir, da er, wenn es gestohlen wird, Ersatz leisten muß, habe er eine Wertsache abgeleugnet, oder aber, es ist ja vorhanden und gilt nichts weiter als Staub, somit hat er ihm nichts abgeleugnet?
ב מילתא דאיבעיא ליה לרבא פשיטא ליה לרבה דאמר רבה שורי גנבת והוא אומר לא גנבתי
2 Das, was Raba fraglich war, war Rabba entschieden, denn Rabba sagte: [Wenn jemand zu einem sagt:] du hast meinen Ochsen gestohlen, und dieser erwidert: ich habe ihn nicht gestohlen,
ג מה טיבו אצלך שומר חנם אני עליו חייב שהרי פטר עצמו מגניבה ואבידה
3 und als er ihn weiter fragt: wie kommt er zu dir, er ihm erwidert: ich bin unentgeltlicher Hüter desselben, so ist er schuldig, denn er hat sich hinsichtlich des Diebstahls und Abhandenkommens befreien wollen;
ד שומר שכר אני עליו חייב שהרי פטר עצמו משבורה ומתה
4 [sagte er,] er sei Lohnhüter desselben, so ist er schuldig, denn er hat sich hinsichtlich des Brechens und Verendens befreien wollen;
ה שואל אני עליו חייב שהרי פטר עצמו ממתה מחמת מלאכה
5 [sagte er,] er sei Entleiher desselben, so ist er schuldig, denn er hat sich hinsichtlich des Verendens durch Arbeitsleistung befreien wollen.
ו אלמא אע"ג דהא קאים כיון דאי מיגניב ממונא קא כפר השתא נמי ממונא קא כפר הכא נמי אף על גב דעפרא בעלמא הוא כיון דאי מיגניב בעי שלומי ליה ממונא מעליא השתא נמי ממונא קא כפר ליה
6 Hieraus also, daß, da, wenn es gestohlen werden würde, er ihm Geld ableugnen würde, es ebenso ist, als würde er ihm auch jetzt, wo es vorhanden ist, Geld abgeleugnet haben. Ebenso auch hierbei, obgleich es nur als Staub gilt, so ist es dennoch, da, wenn es gestohlen werden würde, er Ersatz zahlen müßte, ebenso als hätte er ihm Geld abgeleugnet.
ז יתיב רבא וקאמר להא שמעתא איתיביה רב עמרם לרבא (ויקרא ה, כב) וכחש בה פרט למודה בעיקר
7 Raba saß und trug diese Lehre vor; da wandte R. A͑mram gegen Raba ein:<i>Und es ableugnet</i>, ausgenommen der Fall, wenn er die Hauptsache eingesteht.
ח כיצד שורי גנבת והוא אומר לא גנבתי
8 Man könnte nämlich glauben, daß, wenn [jemand zu einem sagt:] du hast meinen Ochsen gestohlen, und dieser ihm erwidert: ich habe ihn nicht gestohlen,
ט מה טיבו אצלך אתה מכרתו לי אתה נתתו לי במתנה אביך מכרו לי אביך נתנו לי במתנה אחר פרתי רץ מאליו בא אצלי תועה בדרך מצאתיו שומר חנם אני עליו שומר שכר אני עליו שואל אני עליו ונשבע והודה יכול יהא חייב תלמוד לומר וכחש בה פרט למודה בעיקר
9 und als er ihn weiter fragt: wie kommt er zu dir, er ihm erwidert: du hast ihn mir verkauft, du hast ihn mir geschenkt, dein Vater hat ihn mir verkauft, dein Vater hat ihn mir geschenkt, er ist meiner Kuh nachgelaufen, er ist von selber zu mir gekommen, ich habe ihn auf dem Wege umherirren gefunden, ich bin sein unentgeltlicher Hüter, ich bin sein Lohnhüter, ich habe ihn leihweise, und es beschwört und darauf ein Geständnis ablegt, er schuldig sei, so heißt es: <i>und es ableugnet</i>, ausgenommen der Fall, wenn er die Hauptsache eingesteht!?
י א"ל תדורא כי תניא ההיא דקאמר ליה הילך כי קאמינא דקיימא באגם
10 Dieser erwiderte: Gedankenloser, diese Lehre spricht von dem Falle, wenn er zu ihm sagt: da hast du ihn, ich aber spreche von dem Falle, wenn er sich auf dem Felde befindet. –
יא אתה מכרתו לי מאי מודה בעיקר איכא לא צריכא דא"ל לא נתתי לך דמי שקיל תורך וזיל
11 Wieso gesteht er die Hauptsache ein, wenn er zu ihm sagt: du hast ihn mir verkauft!? – In dem Falle, wenn er zu ihm sagt: ich habe dir den Kaufpreis nicht bezahlt; nimm deinen Ochsen und geh. –
יב אתה נתתו לי אביך נתנו לי מאי מודה בעיקר איכא דאמר ליה על מנת דעבידנא לך נייח דנפשא ולא עבדי לך שקיל תורך וזיל
12 Wieso gesteht er die Hauptsache ein, wenn er zu ihm sagt: du hast ihn mir geschenkt, dein Vater hat ihn mir geschenkt!? – Wenn er zu ihm sagt: unter der Bedingung, daß ich dir einen Gefallen erweise, den ich dir nicht erwiesen habe; nimm deinen Ochsen und geh. –
יג תועה בדרך מצאתיו לימא איבעי לך לאהדוריה לי אמר אבוה דשמואל באומר שבועה אבידה מצאתי ולא הייתי יודע שהיא שלך שאחזירנה לך
13 «Ich habe ihn auf dem Wege umherirren gefunden.» Sollte er ihm doch erwidern: so solltest du ihn mir heimbringen!? Der Vater Šemuéls erwiderte: Wenn er zu ihm sagt: ich schwöre, daß ich ihn gefunden und nicht gewußt habe, daß er dir gehört, um ihn dir heimbringen zu können.
יד תניא אמר בן עזאי ג' שבועות הן הכיר בה ולא במוצאה במוצאה ולא בה לא בה ולא במוצאה
14 Es wird gelehrt: Ben A͑zaj sagte: Es sind drei Schwüre; wenn er dieses und nicht den Finder kannte, wenn er den Finder und nicht dieses kannte, wenn er weder dieses noch den Finder kannte. –
טו לא בה ולא במוצאה קושטא אשתבע אימא בה ובמוצאה
15 Wenn er weder dieses noch den Finder kannte, so hat er ja die Wahrheit beschworen!? – Lies: dieses und den Finder. –
טז למאי הלכתא רב אמי אמר רבי חנינא לפטור ושמואל אמר לחיוב
16 Von welcher Bedeutung ist dies für die Halakha? R. Ami sagte im Namen R. Ḥaninas, befreiend; Šemuél sagte, verpflichtend.
יז ובפלוגתא דהני תנאי דתניא המשביע עד אחד פטור ורבי אלעזר בר' שמעון מחייב
17 Sie führen den Streit der folgenden Tannaím. Es wird gelehrt: Wenn jemand einen einzelnen Zeugen schwören ließ, so ist er frei, R. Elea͑zar b. Šimo͑n sagt, schuldig. –
יח במאי קא מיפלגי מר סבר דבר הגורם לממון כממון דמי ומר סבר לאו כממון דמי
18 Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, was Geld verursacht, gelte als Geld, und einer ist der Ansicht, was Geld verursacht, gelte nicht als Geld.
יט אמר רב ששת הכופר בפקדון נעשה עליו גזלן וחייב באונסין ותנא תונא וכחש בה למדנו עונש אזהרה מנין תלמוד לומר (ויקרא יט, יא) לא תכחשו מאי לאו לעונש ממון
19 R. Šešeth sagte: Wenn jemand ein Depositum ableugnet, so gilt er als Räuber und ist ersatzpflichtig auch im Falle eines Mißgeschickes. Und folgender Autor lehrt dasselbe: <i>Und es ableugnet</i>; wir wissen also die Strafe, wo findet sich das Verbot? Es heißt:<i>ihr sollt nichts ableugnen</i>. Doch wohl die Strafe wegen des Geldbetrages. –
כ לא לעונש שבועה הא מדקתני סיפא ואישתבע מכלל דרישא דלא אישתבע דקתני סיפא ונשבע על שקר למדנו עונש אזהרה מנין ת"ל לא תשקרו ומדסיפא דאישתבע רישא דלא אישתבע
20 Nein, wegen des Schwures. – Wenn es aber im Schlußsatze heißt: und geschworen hat, so spricht ja wahrscheinlich der Anfangsatz von dem Falle, wenn er nicht geschworen hat? Im Schlußsatze wird nämlich gelehrt: <i>Und falsch geschworen hat</i>; wir wissen also die Strafe, wo findet sich das Verbot? Es heißt:<i>ihr sollt nicht lügen</i>. Wenn nun der Schlußsatz von dem Falle spricht, wenn er geschworen hat, so spricht ja der Anfangsatz von dem Falle, wenn er nicht geschworen hat!? –
כא אמרי אידי ואידי דאישתבע כאן שהודה כאן שבאו עדים אתו עדים חייב באונסין אודויי אודי חייב בקרן וחומש ואשם:
21 Ich will dir sagen, beide sprechen von dem Falle, wenn er geschworen hat, nur spricht der eine von dem Falle, wenn er es selber eingestanden hat, und einer von dem Falle, wenn Zeugen gekommen sind; sind Zeugen gekommen, so ist er auch im Falle eines Mißgeschickes ersatzpflichtig, hat er es selber eingestanden, so ist er zur Zahlung des Stammbetrages und des Fünftels und zur Darbringung eines Schuldopfers verpflichtet.
כב מתיב רמי בר חמא ושכנגדו חשוד על השבועה כיצד אחד שבועת העדות ואחד שבועת הפקדון ואפילו שבועת שוא
22 Rabba erwiderte ihm: Nein, alle sind der Ansicht, man könne zur Nutznießung verbotene Dinge [dem Eigentümer] zur Verfügung stellen, denn sonst würden sie ja hinsichtlich des Gesäuerten am Pesaḥfeste gestritten haben, vielmehr, sagte Rabba, streiten sie hierbei, ob man den Ochsen in seiner Abwesenheit aburteilen könne.
כג ואם איתא בכפירה הוא דאיפסיל ליה
23 Wenn dem nun so wäre, so ist er ja schon beim Leugnen unfähig!? –
כד אמרי הכא במאי עסקינן דקאי באגם דלאו כפירה הוא דסבר אשתמיטנא ליה אדאזילנא ומייתינא ליה
24 Ich will dir sagen, hier handelt es sich um den Fall, wenn es sich auf dem Felde befindet; dies ist also kein Leugnen, denn er denkt: ich will mich jetzt seiner entledigen und später gehen und es ihm bringen.
כה תדע דאמר רב אידי בר אבין הכופר במלוה כשר לעדות
25 Dies ist auch zu beweisen, denn R. Idi b. Abin sagte, wer ein Darlehen abgeleugnet hat, sei als Zeuge zulässig,